Cheers, meine Aperol Spritz-Liebhaber da draußen! Ihr habt richtig gelesen. Ich habe den Kultcocktail in einer Biskuitrolle verbacken und das Ergebnis ist so lecker geworden! Der fluffige Teig mit dem kleinen Zucker-Crunch, die leicht herbe Orangencreme – hach, bellissima!
Aber von vorne: Unter uns gesagt, war ich zunächst gar nicht sooooo begeistert vom Thema der dritten „Back doch mal …“-Runde. Nach unseren Lieblingsrezepten für Käsekuchen und Gugelhupf sollte es in Runde drei um die gute, alte Biskuitrolle gehen.
Und ratet doch mal, wer bis dato noch nie eine gebacken hatte? Exakt, ich! Aber frei nach dem Pippi Langstrumpf-Motto: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich ganz sicher, dass ich es schaffe“, bin ich dann doch ans Werk gegangen. Und mit der leckeren Aperol-Füllung habe ich mir die Aufgabe quasi schöngebacken :-).
Ich zeige Euch, wie es geht und verrate ehrlich, wie mein erster Versuch gelaufen ist …
Klassische Biskuitrolle trifft Dolce Vita!
Nachdem ich kurz überlegt hatte, mich irgendwie rauszumogeln aus dem Thema und bei der Biskuitrollen-Runde auszusetzen, hat mich dann doch der Ehrgeiz gepackt. Als mir dann auf dem Dolce Vita-Sommerfest meiner Freundin Petra die Idee mit der Aperol-Füllung kam, gab es kein Halten mehr! Holy Aperoli!
Das Leckerchen lässt sich natürlich auch alkoholfrei backen. Es gibt sehr gute alkoholfreie Varianten des Bitterlikörs!

Ich hatte allerdings überhaupt keine Idee, ob das so klappen würde, wie ich mir das vorgestellt habe. Meine imaginären Fallstricke waren:
- Würde die Creme überhaupt nach Aperol schmecken?
- Würde sie durch die Flüssigkeit nicht zu weich werden (ich verwende ja als Nicht-Fleischesser keine Gelatine)
- Würde ich den Biskuitteig rollen können, ohne dass er bricht (das scheint ja weltweit die große Biskuitrollen-Herausforderung schlechthin zu sein!)
Die Kurzantworten auf die Fragen sind Ja / Nein / Fast :-)


Die erste Biskuitrolle meines Lebens – Tipps, Tricks und Learnings
Ich weiß nicht warum, aber ich war vor dem Backen echt ein bisschen aufgeregt! Nachdem der Teig nach dem Schlagen super fluffig war und er schön flach aufgestrichen im Ofen war, habe ich erstmal durchgeatmet (um dann 10 Minuten gefühlt ohne zu Blinzeln in den Ofen zu starren, damit die Teigplatte AUF GAR KEINEN FALL zu dunkel und trocken wird *lach*).
Bevor ich Euch mein Rezept aufschreibe, hier schon mal meine Tipps, damit IHR nicht so aufgeregt sein müsst wie ich. Einen brauche ich allerdings von Euch, da könnte ich noch besser werden!
Biskuitteig bzw. eine Biskuitrolle zu machen ist auch für Anfänger kein Hexenwerk, wenn man ein paar Dinge beachtet:
- Stellt Euch alle Zutaten bereit, am besten schon abgewogen. Das macht das Backen sooo viel entspannter. Das gilt natürlich nicht nur für Biskuitrollen-Rezepte, aber hier umso mehr, weil das Timing ein bisschen wichtig ist.
- Heizt den Backofen vor. Der Teig soll luftig sein und bleiben, deshalb muss der Ofen heiß und ready sein, sobald der Teig auf dem Blech ist.
- Beim Rezepte-Recherchieren habe ich als Backzeit viele verschiedene Angaben gelesen, die grob zwischen 7 und 15 Minuten lagen. Eine ziemlich große Spanne und nicht wirklich hilfreich! Jeder Ofen backt anders, so dass minutengenaue Angaben wirklich schwierig sind. Was mir am meisten geholfen hat war diese Aussage: „Sobald der Teig ein bisschen Farbe annimmt, mit der flachen Hand leicht auf die Teigplatte drücken. Wenn sich die Oberfläche anfühlt wie Watte (tut sie wirklich!!) und keine Dellen im Teig zurückbleiben, ist der Teig genau richtig“.
Wird der Teig zu lange gebacken, verliert er zu viel Feuchtigkeit. Dann wird die Platte zu trocken und bricht beim Aufrollen.
- Mein zweiter Lieblings-Tipp war dieser: Die Eier für den Teig müssen nicht getrennt werden (juhu, eine Schüssel weniger!). Man muss sie nur wirklich lange schlagen, damit sie schön fluffig werden und damit den Teig super luftig machen. Das hat ganz wunderbar geklappt!
- Für die Füllung habe ich Sahne und Topfen verwendet. Topfen ist trockener als Quark und daher gut geeignet für eine Creme ohne Gelatine. Wenn Ihr nur Magerquark bekommt, lasst ihn am besten vorher etwas abtropfen. Ansonsten reichen steifgeschlagene Sahne, Sahnesteif und Topfen absolut aus. Es ist kein Geliermittel nötig.
- Lieblings-Tipp Nummer 3 (danke an Andrea von Zuckerimsalz): Die Teigplatte von der KURZEN Seite aufrollen. In fast jedem Rezept steht nämlich, sie soll von der langen Seite aufgerollt werden und ich dachte immer: Hä, die wird doch viel zu lang, so breit ist mein Kühlschrank gar nicht?! Außerdem hat man auf diese Weise mehr Teig/Umdrehungen zum Rollen und bekommt mehr Kurven hin, wenn Ihr wisst, wie ich meine ;-)


Beim Part „stürze die gebackene Teigplatte kopfüber auf ein mit Zucker bestreutes Handtuch“ gab es bei meinem ersten Versuch noch ein bisschen Verbesserungspotential. Meine Handgelenke wollten den Befehl vom Gehirn einfach nicht ausführen!
Ich glaube, ich hatte zu wenig Selbstbewusstsein, Vorstellungskraft und Schwung und war einfach zu zögerlich. Mit mehr Schmackes hätte es wahrscheinlich ohne Riss geklappt. Also, wenn Ihr hier gute Tipps habt, immer her damit! Vielleicht muss man ja auch gar nicht stürzen? Wo sind die Biskuitrollen-Profis und ihre Tricks?
Was immer hilft …
Hier hat mich die alte Bäckerweisheit „Viel (Puderzucker) hilft viel“ gerettet. Und das schicke Streifenmuster lenkt doch perfekt von dem kleinen Riss ab, oder? Riss, welcher Riss? :-)
Für das Muster habe ich einfach ein Papierküchentuch in gleich breite Streifen geschnitten und die Streifen vor dem Servieren schräg auf den Kuchen gelegt. Die Zwischenräume zwischen den Papierstreifen mit reichlich Puderzucker bestreuen und die Streifen vorsichtig wieder abziehen. Voila! Easy und so effektvoll!

Und jetzt zum Rezept:
Biskuitrolle mit Aperolcreme
Zutaten für den Teig
- 5 Eier (Größe M), Zimmertemperatur
- 150g Zucker
- 150g Weizenmehl
- 1 TL Backpulver
- 1 Prise Salz
Zutaten für die Creme
- 200g Sahne
- 500g Topfen oder Magerquark
- 50g Puderzucker
- Geriebene Schale einer halben Bio-Orange
- 20 ml (ein Schnapsgläschen voll) frisch gepressten Orangensaft
- 20 ml (das Schnapsgläschen nochmal füllen mit) Aperol bzw. alkoholfreie Variante
Für die Deko (optional)
- 1 – 2 EL Puderzucker
- 1,5 Bio-Orangen (eine für die Cremefüllung, wer mag / eine halbe für die Deko auf der Rolle, wer mag)
- ca. 50 ml Aperol
Super, wenn Ihr das schon bereitlegt/vorbereitet:
- 1 Backblech, belegt mit einem Bogen Backpapier (damit das Papier auf dem Blech nicht rutscht, könnt Ihr ein paar Tropfen Wasser darunter geben)
- Ein feines Sieb, um das Mehl zu sieben. In der Not geht es auch ohne, aber je mehr Luft im Teig ist, umso besser/fluffiger :-)
- Ein sauberes Küchenhandtuch, dünn mit Zucker bestreut
- Das Teigausstreichen klappt prima mit einer Teigpalette. Ein Tortenheber, Teigspatel oder ein großer Löffel tun es aber auch.
- Wenn Ihr es gerne extra-herb mit noch mehr Aperol-Geschmack möchtet, schneidet eine Orange in kleine Stücke (ohne Schale und möglichst ohne die weißen Häutchen) und legt sie für mindestens eine Stunde in Aperol ein. Lasst die Orangenstückchen dann abtropfen und gebt sie nach dem Bestreichen des Biskuits und vor dem Aufrollen auf die Creme.
- Wenn Ihr Orangenstücke als (essbare) Deko AUF der Rolle möchtet, könnt Ihr einfach dünne Scheiben schneiden und sie auflegen, wie es Euch gefällt. Ich habe die Scheiben geviertelt und 15 Minuten in Aperol köcheln lassen. Sie bekommen dann eine tolle Farbe und schmecken ein bisschen wie kandierte Orangen. Die Schale kann man natürlich mitessen! Ist aber schon echt herb, ich sag’s nur mal dazu. Das Getränk hat nicht umsonst den Beinamen „Bitterlikör“ ;-)
Zubereitung Teig:
Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Umluft ist hier nicht geeignet!
Schlagt die Eier in einer Schüssel oder Küchenmaschine auf höchster Stufe 10 Minuten zusammen mit Zucker und Salz auf. Wie gesagt, es ist nicht nötig, Eigelb und Eiweiß zu trennen. Die Schüssel sollte ein bisschen größer sein, das wird viel Masse :-)!
Siebt Mehl und Backpulver auf die schaumige Zucker-Ei-Masse und hebt alles nur solange mit einem Löffel oder Teigspatel unter (nicht mehr weiterschlagen!), bis kein Mehl mehr zu sehen sind.
Gebt den Teig auf das mit Backpapier belegte (kalte) Blech und streicht ihn so gleichmäßig wie möglich zu einem Rechteck aus. Mir hat geholfen zu wissen, dass der Teig seine Form beim Backen nicht verändert. Er bleibt also so, wie ihr ihn „hinstreicht“.
Dann packt Ihr das Blech direkt in die Mitte des vorgeheizten Ofens. Würde das Blech mit dem aufgestrichenen Teig noch lange draußen stehen, würde die Teigplatte Luft verlieren. Hier sollte man also nicht lange trödeln.
Bis die hellbraune und watteweiche Oberfläche (siehe Tipp oben) erreicht war, hat es bei mir etwa 12 Minuten gedauert. Stellt Euch den Küchenwecker lieber auf 10 Minuten und bleibt dabei. Ihr müsst nicht regungslos und ohne zu Blinzeln vor dem Ofen sitzen wie ich ;-).
Nehmt dann das Blech mit der Teigplatte aus dem Ofen und stürzt den Teig kopfüber auf das mit Zucker bestreute Handtuch, so dass die Seite mit dem Backpapier oben liegt. Nur Mut! Ihr wisst ja, wenn das Ding Risse bekommt, ist das kein Beinbruch. Puderzucker steht bereit!
Das Backpapier zieht Ihr jetzt vorsichtig ab, solange der Teig noch warm ist. Wenn es zu sehr am Teig klebt, streicht das Papier ein bisschen mit Wasser ein, dann geht es ganz einfach.
Beim Stürzen war ich – wie beschrieben – nicht beherzt genug. Ich überlege gerade, ob man nicht einfach Zucker auf die Teigplatte streuen kann und alles mit dem Handtuch und einem zweiten Blech oder Rost abdeckt. Ich glaube, dann würde das Wenden einfacher funktionieren. Es geht ja nur darum, das Backpapier von der Unterseite des Teiges zu entfernen und den Teig dann mithilfe des Handtuchs schon einmal aufzurollen.
Das ist nämlich der nächste Schritt. Greift Euch die kurze Seite des Handtuchs mit dem Teig, der darauf liegt, rollt den Teig locker zu einer Rolle und lasst ihn in dieser Form auskühlen.
Während die Rolle abkühlt, könnt Ihr Euch um die Füllung kümmern.
Zubereitung Füllung:
Dazu bereitet Ihr am besten folgendes vor:
Reibt die Schale einer halben Bio-Orange ab und presst ca. 20ml (ein Schnapsgläschen) Orangensaft aus. Schale, Saft und 20 ml Aperol verrühren.
Dann schlagt Ihr einen Becher (200ml) kalte Schlagsahne mit einem Beutel Sahnesteif steif. Rührt den Topfen (oder abgetropften Magerquark) und nach und nach die Orangensaft-/Aperol-Mischung unter, bis alles gut vermischt und noch schön fluffig ist.
Dann rollt die Teigrolle vorsichtig wieder auf und bestreicht sie gleichmäßig mit der Creme. Am hinteren Rand der Teigplatte, also der, der am weitesten von Euch weg ist, lasst Ihr ein paar Zentimeter frei. Sonst arbeitet sich beim Aufrollen zu viel Creme dorthin und quetscht sich dann raus. Das wollen wir nicht :-).
Wer mehr Orangen-/Aperol-Geschmack möchte, kann jetzt die eingelegten und abgetropften Orangenstücke (siehe Vorbereitung) auf der Creme verteilen. Man kann sie sicher auch vorher unter die Creme rühren, aber ich hatte ein bisschen Schiss, dass die Farbe „ausblutet“ und es dann auf den Fotos nicht mehr schön aussieht.
So, Endspurt! Jetzt wird der Teig inklusive Cremefüllung mit Hilfe des Handtuchs aufgerollt. Die Aperol Biskuitrolle ist sofort servierbereit. Die Puderzucker-Deko (ich LIEBE die Streifen!) hält sich übrigens super im Kühlschrank. Die Streifen waren am dritten Tag noch wie zu Beginn. Mir hat die Biskuitrolle übrigens am zweiten und dritten Tag noch besser geschmeckt, als sie richtig schön durchgezogen war.
Mein Fazit! Oberlecker! Und auch als Biskuitrollen-Greenhorn durchaus machbar. Es liest sich vielleicht ein bisschen lange und kompliziert, aber ich wollte das einmal ausführlich aufschreiben für Euch, inklusive aller Tipps und Tricks.

Mein Plan B für den Worst Case war übrigens, die Teigplatte in Rechtecke zu schneiden und mit der Creme zu stapeln. Wäre alles zerbröselt, hätte ich ein Schichtdessert im Glas daraus gemacht. Man muss sich nur zu helfen wissen (und zur Not ein Glas Aperol Spritz für die Nerven bereitstehen haben ;-).
Hach, jetzt bin ich wirklich froh, dass ich mich der Aufgabe gestellt habe. Wollen wir mal schauen, was den anderen Rhein-Neckar-Blogger-Mädels so eingefallen ist? Hier auf unserer gemeinsamen Seite findet Ihr die Links zu allen Rezepte an einer Stelle. Ein Vögelchen hat mir geflüstert, dass sogar eine herzhafte Variante dabei ist. Wie spannend!

Habt einen wunderschönen Tag und genießt den tollen Spätsommer, Ihr Herzen.
Eure Marion

